Das 24. Türchen, das Tor zur Welt.

 

„Stille Nacht, heilige Nacht“ heißt es so schön in den bestbekannten Strophen. Doch ganz so still und heilig scheint es vielerorts auf der Welt leider nicht ganz zuzugehen. Dass einem das gerade zu dieser Zeit in unserem Kulturkreis immer wieder bewusst wird, zumindest bewusster als zu anderen Jahreszeiten, mag schon seltsam erscheinen. Aber vielleicht ist es auch das zu Ende gehende Jahr, das einen nachdenklicher werden lässt und zu einem persönlichen Resümee der vergangenen Monate anregt.

Dass die Welt im Gesamten zur Weihnachtszeit nicht still und heilig erscheinen mag, ist mehr als verständlich. Zu viele unterschiedliche Religionen und Kulturen gibt es, die so etwas wie Weihnachten nicht kennen. Auch machen kriegerische Auseinandersetzungen, politische Verfahren, zwischenmenschliche Konflikte oder auch Krankheiten, wenn überhaupt, bekanntermaßen nur selten Halt vor entsprechenden Festtagen.

Doch auch der Blick vor die eigene Tür zeigt, dass selbst bei uns diese Ruhe nicht zwingend einkehrt. Dazu genügt ein kurzer Ausflug in die Innenstadt, auf den Weihnachtsmarkt. Untermalt von zumeist hübsch klingenden weihnachtlichen Klängen, die darum kämpfen nicht direkt wieder im Getose der Massen unterzugehen, zeichnet sich hier ein wildes Treiben ab. Diese zieht sich bis in die vielen umliegenden Geschäfte und Cafés hinein weiter.

In vielen Unternehmen und Firmen zeigt sich ein ähnliches Bild, auch wenn man nicht direkt mit dem Weihnachtsgeschäft verknüpft ist. Die Vorbereitungen auf das mit dem Fest zu Ende gehende Jahr laufen auch Hochtouren, um dann vielleicht für einige ruhigere Tage zu ruhen.

Im Krankenhaus ist das nicht anders. Fast niemand möchte sich freiwillig in diesen Tagen hier aufhalten, nur wenige sind dazu als Patient gezwungen. Die Stationen sind nett geschmückt, das hilft dem ein oder anderen Besucher etwas über die zum Teil schwerwiegenden ursächlichen Geschehnisse seines Vorbeisehens hinwegsehen zu können. Den Patienten vermittelt das wenigstens etwas am weihnachtlichen Geschehen außerhalb teil haben zu können.

Mir wird eine junge Dame fest in Erinnerung bleiben, die umgeben von ihrer Familie, darum kämpfte wenigstens ohne Schmerzen zu sein. Unter den Augen der Eltern war sie tapfer, wollte diese schonen, sie nicht noch mehr leiden lassen. Doch in ihren ruhigeren Zeiten habe ich sie öfters besucht, mit ihr gesprochen. Sie war weniger als halb so alt und doch sehr erwachsen. Beeindruckt hat mich ihre Einstellung, ihr Mut, ihr Wille.

Und so abstrus es klingen mag, was ihr oftmals half: der Fußball. Dass ich Anhänger des Brustrings war, hatten wir früh geklärt. Für sie als schwarz-gelber Borusse kein Problem.

Für uns beide - eine Fanfreundschaft auf kleinster Ebene.

Solch eine Situation war nicht die erste. Erstaunlich ist nur, dass ich sie bisher im Westen häufiger erlebt habe als noch im Süden. Das mag wohl auch mit der anderen Mentalität zusammen hängen.

Im Nachgang betrachtet, zeigt es auf, zu welchen Wirkungen der Fußball doch im Stande vermag zu sein.

Dennoch darf man nicht vergessen, angesichts all dieser einzelnen schlimmen Schicksale, angesichts der weltweiten grauenvollen Ereignisse, angesichts des gegenüber Menschen angerichteten Unheils und der Ungerechtigkeiten, in welcher luxuriösen Welt wir leben dürfen und können.

Welch einen Luxus wir genießen dürfen, dass wir uns Wochenende für Wochenende darüber aufregen dürfen, ob Tor oder Kein-Tor, ob Abseits oder Kein-Abseits, ob verdient oder unverdient.

  

Mit diesen Worten wünsche ich allen Schwabenfreunden besinnliche und friedliche Zeit. Frohe Weihnachten.

 

Euer Gunther

 

AKTUELL:

<<<< 27.01.2019 15:30 Uhr München- Stuttgart