11. November 2013


Weltmeister im Winter - aus einem Sommerspektakel Winterfestspiele zaubern?

 

 

In den letzten Zügen des ausklingenden Jahres 2010 wurde von der FIFA in Zürich bekannt gegeben, dass die Endrunde der 22. Weltmeisterschaften in Katar stattfinden sollten. Auf kuriose und viel diskutierte Art und Weise hatte sich das Emirat auf der Arabischen Halbinsel gegen die Mitbewerber Australien, Japan, Südkorea und schließlich den USA durchgesetzt. Der Entschluss stand fest, der World Cup sollte im Sommer 2022 im bis dato kleinsten Austragungsland durchgeführt werden.

Doch neben einer Grundsatzdebatte um die Prinzipien und Hintergründe der Vergabe gerät in den letzten Monaten zunehmend der Austragungszeitraum in den Fokus.

 

Katar, oder auch Qatar, glänzt seit etlichen Jahren zunehmend mit der Austragung sportlicher Höhepunkte und prescht mit immer mehr Events auf eigenem Boden vehement nach vorne. Im Vergleich zu den Vereinigten Arabischen Emirate, zu denen unter anderen Dubai und Abu Dhabi zählen, hat Katar starken Nachholbedarf, man könnte sagen, sie hätten zu spät auf das richtige Pferd gesetzt. Doch nach der regelmäßigen Austragung großer internationaler Tennisturniere in Doha, großen Derbys im Pferdesport, den ohnehin dort ansässigen Kamelrennen, der Tour of Qatar für Radrennfahrer und Hallen-Meetings der Leichtathleten kommt 2015 zunächst die Handball- und 2022 wohl die Fußballweltmeisterschaft ins Land. Als Generalprobe dafür wurde bereits die 15. Asienmeisterschaft Anfang 2011 im Emirat ausgespielt. Zudem haben einige Rennställe ihren Sitz in und um Doha, der Hauptstadt des Wüstenstaats, herum. Neben dem Ölreichtum versucht man nun mit Hilfe sportlicher Großereignisse auch den Tourismus, ganz nach dem Vorbild anderer arabischer Emirate, anzukurbeln. In der absoluten Monarchie geschieht das wohl mit aller Gewalt und der tatkräftigen Unterstützung staatlicher Unternehmen und dem dort ansässigen arabischen Sender Al-Dschasira.

Nun gut, die Entscheidung, wie immer sie auch nun durch die Mitglieder und Vertreter der FIFA gefallen sein mag, sollte man nun akzeptieren. Bestechungsvorwürfe und Manipulationsgerüchte ließen sich bisher nicht nachweislich bestätigen, allerdings auch nicht entkräften. Dennoch ist von einer demokratischen Abstimmung auszugehen, vielleicht auch mangels Alternativen: die Vereinigten Staaten von Amerika, Japan und Südkorea waren bereits in jüngerer Vergangenheit Austragungsort des Turniers, die australische Bewerbung schied bereits direkt im ersten Wahlgang aus.

Möglicherweise war es auch schlichtweg nur eine exzellente Bewerbung des finanzstarken Staates, was ich mir sehr gut vorstellen kann. Denn neben einer ausgefeilten Präsentation, inhaltlich wie optisch, bietet der Staat ein umfangreiches Paket. Man investiert massiv in die Infrastruktur, lässt gerade von der Deutschen Bahn, Siemens und ThyssenKrupp ein ausgeklügeltes Netz von Fern- und Nahverkehrsstrecken installieren, steckt ungeheure Summen in soziale Projekte, in den Stadtbau und natürlich auch in die Errichtung der Sportstätten. Diese würden übrigens nach dem Ende des Turniers größtenteils an Afrikanische Staaten gespendet werden, inklusive Abbau, Transport und Wiederaufbau.

Dass es angesichts dieser Argumente wohl auch rechtmäßig zu dem Entscheid zugunsten Katars gekommen sein mag, liegt durchaus im Bereich des Möglichen und Denkbaren.

Nach der kritischen Begutachtung der Verhältnisse vor Ort und die Diskussionen um die Arbeitsverhältnisse auf arabischen Baustellen, scheinen die Gemüter sich auch hier wieder beruhigt zu haben. Die Berichterstattung war leider hinsichtlich der Informationen nicht ganz objektiv, was sich allmählich zeigt. Natürlich kann man die Verhältnisse auf den Baustellen mit denen hierzulange nicht vergleichen. Gleichwohl sind die dort eingesetzten Gastarbeiter beispielsweise aus Indonesien, dem Iran oder dem Irak, sowie aus Indien ihrer Qualifikation nach nicht auf dem Stand wie ein Geselle auf deutschen oder europäischen Arbeitsstätten. Diese Tatsachen, sowie die politische Lage und fehlende umfassende gesetzliche Regelungen führen dazu, dass einfach anders gearbeitet wird, als wir das ansonsten kennen. Ich selbst kann zwar wenig über Baustellen in Katar aussagen, aber die ähnlichen Verhältnisse in den Vereinigten Arabischen Emiraten konnte ich selbst begutachten und sie sind nicht so miserabel wie sie oftmals hingestellt werden. Sie sind eben anders, streckenweise wird versucht den Westen zu imitieren, auch indem entsprechendes Personal, und dem damit verbundenen Knowhow, zeitweise importiert wird.

Dass durch solch ein Ereignis auch versucht wird die politischen Verhältnisse vor Ort zum positiven hin zu verändern, das ist hinlänglich bekannt. Dass man aber von offizieller Seite aus angeblich nichts über die bestehenden Missstände weiß, die eine Monarchie eben mit sich bringt, ist mir unerklärlich.

 

Abgesehen von diesen Schwierigkeiten, die beinahe jede Entscheidung für ein Event dieser Größenordnung mit sich bringt, siehe beispielsweise auch die Olympischen Spiele in Peking oder Sotschi, sehe ich hingegen die aktuelle Debatte um den Austragungszeitraum höchst kritisch.

Auch hier war oder sollte zumindest jedem Abstimmungsberechtigten im Komitee bereits lange vor der Stimmabgabe bekannt gewesen sein, welch Probleme eine Ausrichtung der Fußballspiele auf der Arabischen Halbinsel in den Sommermonaten beinhalten kann. Und trotzdem hatte man sich für den Wüstenstaat ausgesprochen. Grund für diese Entscheidung sollten wohl auch Bestrebungen des Emirates, die Stadien entsprechend mit Sonnenenergie herunter zu kühlen. All diese Fakten waren vorab bekannt und wurden so auch durch Katar selbst den Entscheidungsträgern offensiv präsentiert.

Umso ärgerlicher nun die aufkommenden Diskussionen und wahrhaftigen Bestrebungen, die gesamten weltweiten Spielpläne nach einer Verlegung der Weltmeisterschaft in die Wintermonate umzustellen. Das halte ich nicht nur für in grobem Maße unprofessionell, ich finde das schlichtweg lächerlich.

Zu Recht beklagen sich nun die Mitbewerber, die diese Bedenken gegenüber dem Mitbewerber bereits im Vorfeld der Bewerbungen öffentlich geäußert hatten, dass eine nachträgliche Verlegung eben aufgrund dieser vorgebrachten „Missstände“ nicht rechtens seien. Dem kann ich nur und will ich auch zustimmen.

Alle Argumente, die besagen dass Fußballspieler und auch die Besucher und Zuschauer nicht mit den äußerlichen Bedingungen klar kommen würden, existieren nicht erst seit heute. Sämtliche Wetterdaten und Durchschnittstemperaturen über viele Jahre hinweg im Wüstenstaat sind hinlänglich bekannt und wurden keinesfalls im Rahmen der Bewerbung Katars verschwiegen! Katar kann sich so etwas leisten, sie nehmen in der Hinsicht gewissermaßen eine Vorreiterrolle ein, sind an der Schaffung von Technologien beteiligt, die es auch anderen Staaten ermöglichen sollen, ganzjährlich Sportereignisse oder auch andere Veranstaltungen durchführen zu können, unabhängig von äußeren Bedingungen.

 

Deswegen plädiere ich mit aller Gewalt für eine Beibehaltung des sommerlichen Termins. Nicht nur, weil ich ungerne eine Weltmeisterschaft im Winter bei Eis und Schnee feiern möchte, damit könnte man sich notfalls auch abfinden. Vielmehr weil weltweit gravierende Veränderungen in allen Spielplänen stattfinden müssten, weil ganze Spielsysteme, die sich mehr oder weniger in Einklang mit den turnusmäßig stattfindenden Turnieren befinden, durcheinander geworfen würden.

Das Hauptargument ist allerdings die Tatsache, dass alle Beteiligten zum Zeitpunkt der Abstimmung wussten, für oder gegen was sie ihre Stimme abgaben! Die Entscheidung fiel für das Emirat inmitten der Wüste, die Entscheidung fiel für eine Austragung in den Sommermonaten, in denen für gewöhnlich in Katar keinerlei Niederschläge zu erwarten sind (Katar zählt weltweit zu den trockensten Gebieten), die Entscheidung fiel für eine Weltmeisterschaft in klimatisierten Stadien was selbstverständlich energetisch aufwändig ist, die Entscheidung fiel für Katar!

 

Ich will diese Fußball Weltmeisterschaft in Katar, so wie sie sich das Land Katar selbst gewünscht hat und so wie sie vom Abstimmungskomitee akzeptiert und gewählt wurde!

 

 

In diesem Sinne eine schöne Woche! Achja, Derbysieg!

 

Euer Gunther

 

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